Die Beleuchtung ist das kritischste und am häufigsten unterschätzte Element in jedem Bildverarbeitungssystem. Die Qualität des von der Kamera erfassten Bildes hängt fast vollständig von der Beleuchtung ab. Eine falsche Beleuchtungskonfiguration macht es unmöglich, zuverlässige Informationen aus dem Bild zu gewinnen — unabhängig davon, wie anspruchsvoll der Bildverarbeitungsalgorithmus oder wie hoch die Kameraauflösung ist.
Ingenieure und Systemintegratoren müssen bei der Auswahl der Beleuchtung mehrere Schlüsselparameter abwägen: Geometrie, Art der Lichtquelle, Wellenlänge, optische Eigenschaften des Materials, Inspektionsgeschwindigkeit und Integrationsbedingungen. Jeder Parameter beeinflusst die finale Bildqualität auf direkte und messbare Weise.
Die Rolle des Lichts in der industriellen Bildverarbeitung
Licht interagiert mit Materialien über drei grundlegende Mechanismen: Reflexion, Transmission und Absorption. Wie stark jeder Mechanismus beiträgt, entscheidet darüber, wie eine Oberfläche im erfassten Bild erscheint. Das Verständnis dieser Wechselwirkungen ist essenziell bei der Entwicklung eines Beleuchtungsaufbaus für eine spezifische Inspektionsaufgabe.
Licht wird durch seine Wellenlänge charakterisiert, die in Nanometern (nm) gemessen wird. Das sichtbare Spektrum reicht von etwa 400 nm (Violett) bis 700 nm (Rot). Bildverarbeitungssysteme arbeiten häufig außerhalb dieses Bereichs und nutzen Nahinfrarotlicht, um Verpackungsmaterialien zu durchdringen, oder Ultraviolettlicht (UV), um Oberflächenmerkmale sichtbar zu machen, die im sichtbaren Spektrum verborgen bleiben.

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LED-Technologie für die industrielle Beleuchtung
LEDs sind die Standard-Lichtquelle für die industrielle Bildverarbeitung. Sie bieten monochromatische Emission, hohe Effizienz, lange Lebensdauer und die Fähigkeit zum Stroboskopbetrieb. Im Vergleich zu traditionellen Quellen wie Leuchtstoffröhren oder Halogenlampen liefern LEDs die stabile und wiederholbare Lichtleistung, von der die automatisierte Inspektion abhängt.
Monochromatische und weiße LED-Quellen
Monochromatische LEDs emittieren Licht bei einer einzigen dominanten Wellenlänge, was ideal ist, um den Kontrast bei spezifischen Oberflächenmerkmalen oder Farbunterschieden zu maximieren. Weiße LEDs werden entweder durch Kombination von RGB-Emittern oder durch Aufbringen einer gelben Leuchtstoffschicht auf eine blaue LED hergestellt. Beide Methoden liefern ein breiteres Spektrum, das sich für Farbinspektionsanwendungen eignet.
Stromregelung und Wärmemanagement
Eine stabile Stromregelung ist essenziell für eine wiederholbare Beleuchtungsintensität. Schwankungen des Ansteuerstroms führen zu Schwankungen der Lichtleistung, die sich direkt in Bildrauschen und Inspektionsfehlern niederschlagen. Ein solides Wärmemanagement verlängert die Lebensdauer der LEDs und verhindert, dass der Lichtstrom mit der Zeit degradiert. LED-Beleuchtungen von RODER Vision integrieren Präzisions-Konstantstromtreiber und eine optimierte Wärmeableitung, um eine Langzeitstabilität in industriellen 24/7-Umgebungen zu gewährleisten.
Stroboskop- und Pulsbetrieb
Der Betrieb von LEDs im Stroboskop- oder Pulsmodus ermöglicht sehr hohe Spitzenströme für kurze Impulse und erzeugt Lichtintensitäten, die weit über den Nennwerten des Dauerbetriebs liegen. Diese Technik ist unerlässlich, um Bewegungen auf schnellen Produktionslinien einzufrieren. Die Stroboskop-Synchronisation mit dem Kameratrigger stellt sicher, dass jedes Bild genau im Moment der maximalen Beleuchtung erfasst wird, wodurch Bewegungsunschärfe vermieden und der Kontrast bei dynamischen Objekten erhöht wird.
Beleuchtungsgeometrien für die industrielle Bildverarbeitung
Die geometrische Beziehung zwischen Lichtquelle, Objekt und Kamera bestimmt die Art der im Bild erfassten Informationen. Die Wahl der richtigen Geometrie ist die wichtigste Einzelentscheidung beim Beleuchtungsdesign.
Direkte Frontbeleuchtung: Hellfeld und Dunkelfeld
Bei der direkten Hellfeldbeleuchtung befinden sich Lichtquelle und Kamera auf derselben Achse oder in einem kleinen Winkel zueinander. Die Kamera erfasst die gerichtete oder diffuse Reflexion von der Objektoberfläche. Diese Geometrie eignet sich gut für flache, matte Oberflächen, bei denen Fehler lokale Änderungen der Reflexion erzeugen.
Die Dunkelfeldbeleuchtung nutzt einen flachen Einfallswinkel, der typischerweise unter 30 Grad zur Oberflächenebene liegt. Nur Oberflächenmerkmale mit Höhenvariationen — Kratzer, Prägemerkmale, Oberflächenstruktur — streuen Licht in Richtung der Kamera. Der Hintergrund erscheint dunkel, während Fehler und Reliefdetails hell erscheinen. Die Technik ist äußerst effektiv für die Oberflächeninspektion von Metallen, Kunststoffen und Glas.
Durchlichtbeleuchtung für Silhouette und Maßprüfung
Die Durchlichtbeleuchtung platziert die Beleuchtung hinter dem Objekt und die Kamera davor. Das Objekt erscheint als Silhouette vor einem hellen, gleichmäßigen Hintergrund. Diese Geometrie ist ideal für die Maßprüfung, Konturmessung und das Erkennen des Vorhandenseins oder Fehlens von Merkmalen. Sie dient auch der Inspektion von transparenten Behältern, pharmazeutischen Blisterpackungen und Präzisionsmechanikbauteilen.
Koaxiale Beleuchtung für reflektierende Oberflächen
Die koaxiale Beleuchtung führt Licht über einen Strahlteiler entlang derselben optischen Achse wie die Kamera zu. Das Licht trifft frontal auf die Objektoberfläche und die gerichtete Reflexion kehrt direkt durch das Objektiv zurück. Die Technik eliminiert Schatten und erzeugt eine gleichmäßige Beleuchtung auf flachen, hochreflektierenden Oberflächen wie spiegelnden Metallen, Leiterplatten (PCBs) und polierten Bauteilen.
Dom- und Flat-Dome-Beleuchtung
Dombeleuchtungen hüllen das Objekt in ein diffuses, omnidirektionales Lichtfeld ein. Das eliminiert gerichtete Schatten und spiegelnde Reflexionen auf gekrümmten, dreidimensionalen oder unregelmäßigen Oberflächen. Das Ergebnis ist ein flaches, gleichmäßig ausgeleuchtetes Bild, das Farbabweichungen, Oberflächenfehler und gedruckte Markierungen leichter erkennbar macht. Flat-Dome-Beleuchtungen (Flachdombeleuchtungen) erzielen ähnliche Ergebnisse in einer flacheren Bauform, was der Integration über Förderbändern und Inspektionsstationen mit begrenztem vertikalen Raum entgegenkommt.
Wellenlängenauswahl bei der Bildverarbeitungs-Beleuchtung
Die richtige Wellenlängenauswahl maximiert den Bildkontrast und reduziert die Empfindlichkeit gegenüber irrelevanten Abweichungen. Das Grundprinzip lautet, dass Oberflächen ihre Komplementärfarbe absorbieren und ihre eigene Farbe reflektieren. Das Beleuchten eines roten Objekts mit rotem Licht ergibt ein helles Bild; das Beleuchten desselben Objekts mit grünem oder blauem Licht ergibt ein dunkles Bild.
Für Monochromkameras ist die Wellenlänge, die den größten Grauwertunterschied zwischen dem relevanten Merkmal und dem Hintergrund erzeugt, die beste Wahl. Blaue und UV-Beleuchtung bieten eine feine räumliche Auflösung zur Erfassung von Mikrofehlern und Oberflächenkontaminationen. Rote und NIR-Beleuchtung dringen in oberflächennahe Schichten ein und reduzieren die Sichtbarkeit der Oberflächenstruktur bei granularen Materialien.
Beleuchtung mit strukturierter Licht- und Musterprojektion
Verfahren mit strukturiertem Licht projizieren ein bekanntes Muster auf die Objektoberfläche. Deformationen des projizierten Musters kodieren Tiefeninformationen und ebnen den Weg zur 3D-Oberflächenrekonstruktion. LEDs werden hier gegenüber Laserquellen bevorzugt, da sie gleichmäßige, speckle-freie Muster mit konstanter Intensität über die gesamte Projektionsfläche erzeugen. Der Ansatz wird weit verbreitet für die 3D-Messung komplexer Geometrien, die Schweißnahtinspektion und die Prüfung der Oberflächenebenheit eingesetzt.
Schlüsselparameter für das Design von Beleuchtungssystemen
Ein gut gestaltetes Beleuchtungssystem muss vier messbare Anforderungen erfüllen
- Intensität: Ausreichend, um die Zielbelichtung bei der erforderlichen Bildrate und Blendeneinstellung zu erreichen.
- Gleichmäßigkeit: Hoch genug über das gesamte Sichtfeld (FOV), um Grauwertgradienten zu vermeiden, die als Fehler interpretiert werden könnten.
- Stabilität: Aufrechterhalten über Zeit und Temperaturschwankungen, um Inspektionsergebnisse wiederholbar zu halten.
- Spektrale Anpassung: Die Wellenlänge der Beleuchtung muss zur Empfindlichkeit des Kamerasensors passen, um den Signal-Rausch-Abstand und die Erfassungsempfindlichkeit zu maximieren.
Produkte und Technologien
Produktfamilien von RODER Vision Beleuchtungen
RODER Vision entwickelt und fertigt ein komplettes Sortiment an LED-Beleuchtungen für jede Geometrie und Anwendung der industriellen Bildverarbeitung. Die folgenden Produktfamilien decken die häufigsten Beleuchtungsanforderungen in industriellen Inspektionssystemen ab.

DL6 – Hochdichte LED-Matrix
Hochdichte Direktbeleuchtung für die Frontalinspektion. Multiple Formate und Wellenlängen. Stroboskopkompatibel. Geeignet für universelle industrielle Inspektionsstationen.

DC6 – Hochdichte Ringbeleuchtung
Ringbeleuchtung für direkte Frontbeleuchtung um die Kameraachse. Kompakte Bauform für die Nahbereichsinspektion. Mehrere Durchmesser und Wellenlängen verfügbar.

BL3 – LED-Durchlichtbeleuchtungen
Hochgleichmäßige Durchlichtbeleuchtung für Silhouetteinspektion, Maßprüfung und Konturanalyse. Mehrere Formate. Stroboskopkompatibel für Hochgeschwindigkeitslinien.

FD3 – Flachdom-Beleuchtungen
Diffuse Dombeleuchtung für gekrümmte, unregelmäßige und reflektierende Oberflächen. Eliminiert gerichtete Schatten. Ideal für Etikettenprüfung, Oberflächenklassifizierung und Farbprüfung.
Häufig gestellte Fragen
Die Beleuchtungsgeometrie ist der kritischste Faktor. Die Winkelbeziehung zwischen Lichtquelle, Objekt und Kamera entscheidet darüber, welche Oberflächenmerkmale sichtbar werden und welche verborgen bleiben. Kein Bildverarbeitungsalgorithmus kann Informationen wiederherstellen, die nie erfasst wurden. Die Wahl der richtigen Geometrie — ob Hellfeld, Dunkelfeld, Durchlicht, Koaxial oder Dom — ist die erste und wichtigste Designentscheidung.
Die Dunkelfeldbeleuchtung ist ideal, wenn die Aufgabe darin besteht, Oberflächenreliefmerkmale wie Kratzer, Prägemerkmale, Risse und Oberflächenstrukturen zu erkennen. Die Lichtquelle befindet sich in einem sehr flachen Winkel zur Oberfläche, sodass nur Merkmale mit Höhenvariation Licht in Richtung der Kamera streuen. Der Hintergrund erscheint dunkel, während Fehler hell erscheinen.
Die beste Wellenlänge hängt von den spektralen Eigenschaften des Objekts und dem zu erkennenden Fehler ab. Für maximalen Kontrast zwischen zwei Farben wird eine Wellenlänge verwendet, die eine Farbe absorbiert und die andere reflektiert. Für die Inspektion unter der Oberfläche sind Nahinfrarot-Wellenlängen (750–1000 nm) effektiv. Für Mikrofehler bieten kürzere Wellenlängen wie Blau oder UV eine bessere räumliche Auflösung.
Die Stroboskopbeleuchtung steuert LEDs mit kurzen, hochintensiven Impulsen an, die mit der Kamerabelichtung synchronisiert sind. Sie wird benötigt, wenn sich Objekte mit Geschwindigkeiten bewegen, bei denen eine Dauerbeleuchtung Bewegungsunschärfe erzeugen würde. Sie erhöht zudem die Schärfentiefe und reduziert Umgebungslichteinflüsse.
Die Durchlichtbeleuchtung platziert die LED-Beleuchtung hinter dem zu prüfenden Objekt, während sich die Kamera auf der gegenüberliegenden Seite befindet. Das Objekt blockiert das Licht zur Kamera und bildet eine kontrastreiche Silhouette. Diese Geometrie wird für Maßprüfungen, Konturanalysen und die Prüfung auf Vorhandensein oder Fehlen von Merkmalen verwendet.
Kontakte & Informationen
Kontakt für allgemeine Informationen : info@roder.it
Partner für System- und Sensorintegration : www.roder.it
RODER Bildverarbeitungs-Abteilung : www.rodervision.com
RODER Abteilung Messinstrumente : www.innovacheck.com
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